.Rebecca Clarke (* 27. August 1886 in Harrow, England; †13. Oktober 1979 in New York) war eine englische Komponistin und Bratschistin amerikanisch-deutscher Herkunft. Sie gilt heute als eine der wichtigsten Komponistinnen Englands in der Zwischenkriegszeit[1].
Rebecca Clarke war das erste von vier Geschwistern. Ihr Vater, Joseph Thacher Clarke (1856-1920), war Amerikaner und Vertreter für die Firma Eastman Kodak in Europa. Die Mutter, Agnes Paulina Marie Amalie Helferich, stammte aus München, wo deren Vater Hans Helferich Professor für Wirtschaftspolitik war. Der Historiker Leopold von Ranke war ein Großonkel der – zweisprachig aufwachsenden – Rebecca Clarke. Musik spielte eine wichtige Rolle in der Familie; der Vater spielte selbst Cello und schickte alle vier Kinder zum Musikunterricht. Überschattet wurde Clarkes Kindheit jedoch durch den autoritären, gewalttätigen Charakter ihres Vaters. Sie schrieb in ihren bislang unveröffentlichten Erinnerungen: [2]
We were all of us whipped, sometimes really painfully […]. For years my nails were examined every Sunday morning by Papa; I had started the habit of biting them. And if they were not satisfactory (and they never were) I was doomed to another session with the […] steel slapper, while Mama waited helplessly outside the door and cried. (deutsch: Wir wurden alle geschlagen, manchmal in höchst schmerzhafter Weise […]. Über Jahre hinweg wurden meine Fingernägel jeden Sonntag morgen einer Prüfung durch Papa unterzogen; ich hatte die Gewohnheit angenommen, daran zu kauen. Wenn sie nicht zufriedenstellend aussahen (und das taten sie nie), war ich zu einer weiteren Sitzung mit dem […] stählernen Lineal verurteilt, während Mama hilflos vor der Türe wartete und weinte).
1903 begann Rebecca Clarke ein Studium an der Londoner Royal Academy of Music. Ihr Violinlehrer war Hans Wessely. Das Studium fand allerdings 1905 ein abruptes, durch den Vater erzwungenes Ende, nachdem Percy Hilder Miles, Clarkes Dozent für Harmonielehre, ihr einen Heiratsantrag gemacht hatte (Miles verstarb 1922 und vermachte ihr testamentarisch seine eigene Stradivari-Violine). 1907 nahm sie ein Kompositionsstudium am Royal College of Music in London auf, wo sie einer der ersten weiblichen Studenten bei Charles Stanford wurde. Auf dessen Rat hin verlegte sie den Schwerpunkt ihrer Instrumentalausbildung von der Violine zur Viola, die erst etwa ab dieser Zeit als ernstzunehmendes Soloinstrument galt, und nahm neben dem Studium Privatunterricht bei Lionel Tertis, einem der damals bedeutendsten Bratschisten. Rebecca Clarke konnte das Studium am Royal College allerdings nicht zu Ende führen, da sie 1910 von ihrem Vater ohne jede finanzielle Unterstützung aus dem Haus geworfen wurde. Diesem endgültigen Zerwürfnis mit dem Vater vorausgegangen war ein Streit über seine außerehelichen Affären, in dessen Verlauf Rebecca Clarke die Briefe seiner Geliebten zu einem Kartenhaus zusammengebaut hatte.
Um sich finanziell über Wasser halten zu können, schlug Clarke eine erfolgreiche Karriere als Solobratschistin ein und wurde Mitglied verschiedener, rein weiblich besetzter Kammerensembles, u. a. dem Norah Clench Quartet. 1912 wurde sie von Henry Wood in das Queen's Hall Orchestra berufen, und war damit eine der ersten Orchestermusikerinnen in einem professionellen Ensemble.
Erster USA-Aufenthalt
1916 übersiedelte Clarke in die USA, wo auch ihre beiden Brüder lebten. Dort entfaltete sie eine rege Konzerttätigkeit, oft gemeinsam mit der Cellistin May Mukle. Tourneen führten sie beispielsweise 1918 bis 1919 nach Hawaii und 1923 rund um die Welt (u. a. nach Fernost und in verschiedene britische Kolonien). Ab 1917 trat sie in freundschaftlichen Kontakt zu der amerikanischen Mäzenin Elizabeth Sprague Coolidge. Auf deren Anregung hin reichte sie 1919 ihre Sonate für Viola und Klavier beim Kompositionswettbewerb um den „Coolidge International Prize“ in Berkshire ein. Die Jury favorisierte unter den 72 eingereichten Stücken stimmengleich zwei: Dasjenige von Clarke sowie ein Werk des bekannten Komponisten Ernest Bloch. Letztlich erhielt zwar Bloch den 1. Preis, aber auch Clarkes mit dem 2. Preis ausgezeichnete Sonate wurde 1919 beim Berkshire Music Festival unter großem Beifall uraufgeführt. Allerdings wurde spekuliert, dass „Rebecca Clarke“ ein Pseudonym von Ernest Bloch selbst sei, oder dass es jedenfalls unmöglich Clarke gewesen sei, die Derartiges hätte schreiben können[1]. 1921 errang Rebecca Clarke mit ihrem Klaviertrio erneut den 2. Preis des „Coolidge International Prize“. 1922 erhielt Clarke von Coolidge den Kompositionsauftrag für die Rhapsody für Violoncello und Klavier, verbunden mit einem Honorar von 1000$. Clarke war damit die einzige Frau, die von dieser Mäzenin gefördert wurde.
Rückkehr nach England
1924 übersiedelte Clarke wieder nach London (der Vater war 1920 verstorben) und trat dort als Solistin und Kammermusikpartnerin von so renommierten Künstlern wie Myra Hess, ...
Mehr in der Wikipedia