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Hans Henny Jahnn.Hans Henny Jahnn geb. Jahn (* 17. Dezember 1894 in Stellingen; †29. November 1959 in Hamburg) war ein deutscher Schriftsteller, Orgelbauer und Musikverleger (Ugrino-Verlag). Im Zentrum von Hans Henny Jahnns schriftstellerischem Werk steht durchgehend die existentielle Angst, die dem Menschen unauflöslich bleibt und nur von der Liebe und dem Mitleiden mit anderen Menschen und mit der Schöpfung überwunden werden kann. Der Verlust von Liebe und Zuwendung ist daher immer ein tragischer Sturz in fundamentale Qualen über die reine Trauer hinaus. Diese seine Einstellung bezieht Hans Henny Jahnn aus der harmonikalen pythagoreischen Ästhetik, welche sich in tief verankerter Religiosität für die Würde des Menschen ausspricht und gegen die fehlgeleiteten Entwicklungen in Gesellschaft und Kultur wendet. Mit seinem Werk ist Hans Henny Jahnn eine singuläre Erscheinung in der deutschen Literatur und lässt sich keiner Bewegung zuordnen. Die spätexpressionistischen Elemente in seinem Frühwerk überwand er schnell zugunsten eines originären Stils in der Art eines „magischen Realismus“. Seine Werke kommen dem Surrealismus in der Malerei am nächsten. Der Sohn eines selbständigen Schiffbauers ging auf das Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer in Hamburg-Eimsbüttel, auf dem er 1914 sein Abitur machte. Jahnn emigrierte zusammen mit Gottlieb Harms 1915 nach Norwegen, um dem Ersten Weltkrieg zu entgehen. 1918 kehrte er zunächst nach Hamburg zurück, zog dann für kurze Zeit aufs Land bei Eckel. Hier lebte er mit Gottlieb Friedrich Harms (1893-1931, Musikschriftsteller) und Franz Buse (1900-1971, damals Bildhauer). Auch andere Personen, wie Ellinor Philips (1893-1970), Jahnns spätere Ehefrau, wohnten dort. 1919 gründeten Jahnn, Harms und Buse gemeinsam die Künstlergemeinschaft Ugrino. Sie entstand - wie viele ähnliche Gruppen in der Weimarer Republik - aus dem Bedürfnis nach neuer Sinnstiftung und als Alternative der von vielen als enttäuschend empfundenen Situation nach dem I. Weltkrieg. Die Gemeinschaft Ugrino wollte Kunstwerke aller Art erhalten und neue schaffen. Insbesondere sollten auf einem riesigen eigenen Grundstück, das teilweise auch gekauft wurde, Sakralbauten errichtet werden (Architekt: Jahnn). Letztlich blieben aber die meisten Pläne der Gemeinschaft Ugrino unausgeführt. Erfolgreich war die Gründung des Ugrino-Verlags (1921) zusammen mit Gottlieb Harms, in dem Werke barocker und vorbarocker Komponisten erschienen, die auch heute noch von der Fachwelt anerkannt werden. Gleichfalls im Jahr 1919 veröffentlichte Jahnn das Drama Pastor Ephraim Magnus, für das er 1920 mit dem renommierten Kleist-Preis ausgezeichnet wurde (UA 1923). Weitere Dramen folgten. Manche Zuschauer und bestimmte Presseorgane taten sich schwer mit Jahnns Stücken, stellten sie doch oft extreme Gefühlslagen und krasse Handlungen dar (Inzest, Homosexualität, Verstümmelung...). Die Stücke wurden teils heftig kritisiert, teils aber auch aus berufenem Munde (Thomas Mann) aufs höchste gelobt. Schon als Jugendlicher befasste sich Jahnn mit dem Orgelbau. Er hat wertvolle norddeutsche Barockorgeln restauriert (z.B. St. Jacobi, Hamburg), darüberhinaus forderte er eine Neuorientierung des Orgelbaus unter Berücksichtigung der harmonikalen Gesetzmäßigkeiten, die er schon bei Arp Schnitger nachweisen konnte. Trotz ähnlicher Forderungen bekannter Personen wie Albert Schweitzer hatte Jahnn es nicht leicht, seine Vorstellungen zu verwirklichen. Auch machte sein Ruf als Autor skandalumwitterter Theaterstücke es ihm zeitweise schwer, Aufträge zu beschaffen. Dennoch hat Hans Henny Jahnn in seinem Leben bei etwa einhundert Orgelprojekten als Berater und Planer mitgewirkt. Die meisten „Jahnn-Orgeln“ sind heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht mehr in spielfähigem Zustand. Auf der von Karl Kemper 1931 gebauten, 1991 von Orgelbaumeister G. Christian Lobback restaurierten Hans-Henny-Jahnn-Orgel der Heinrich-Hertz-Schule (ehemals Lichtwark-Schule) in Hamburg werden regelmäßig Konzerte gespielt. Ebenfalls 1931 entstand in der Ansgar-Kirche zu Hamburg-Langenhorn eine Orgel nach seinen Plänen, gebaut von der Firma Furtwängler & Hammer. Hier wird es im Jahr 2007 eine Renovierung nach denkmalpflegerischen Grundsätzen geben. Jahnns intensive Auseinandersetzung mit Orgel und Orgelbau beruht auf seinem harmonikalen Weltbild. Der deutsche Wissenschaftler Hans Kayser, der die moderne harmonikale Grundlagenforschung im 20. Jahrhundert begründete, regte Jahnn entscheidend als Orgelbauer und Schriftsteller an. Auch Jahnns bekanntester, in den ausgehenden 1920er Jahren entstandener Roman „Perrudja“ wurde von Hans Kaysers Auseinandersetzung mit der Harmonik beeinflusst. Obwohl Jahnn seit Beginn der 1930er Jahre vor der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei gewarnt hatte und der linksliberalen DDP-Abspaltung Radikaldemokratischen Partei (RDP) beigetreten war[1], wollte er doch nicht endgültig emigrieren und den Kontakt mit Deutschland nicht verlieren. Er war überzeugt, dass er als Schriftsteller nur in Deutschland seinen Lebensunterhalt sichern konnte. Darum blieb er z.B. Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Die Nationalsozialisten standen ihm skeptisch gegenüber (aufgrund seiner Stücke wurde er in der Presse u. a. als „Kommunist und Pornograph“ bezeichnet) und durchsuchten mehrfach seine Wohnung in Hamburg. Darum verließ Jahnn im Frühjahr 1933 Deutschland und hielt sich während der nationalsozialistischen Diktatur meist im Ausland auf, kehrte aber immer wieder für kurze Zeit nach Deutschland zurück. Seit 1934 wohnte er auf Bornholm in Dänemark, wo seine Schwägerin Sibylle, gen. Monna Harms, auf Jahnns Rat einen Bauernhof erworben hatte, den er bis 1950 bewirtschaftete. Auf Bornholm verfasste er auch den größten Teil seines Hauptwerkes Fluß ohne Ufer, einer gewaltigen Trilogie von über 2000 Seiten, deren letzten Band Epilog er nicht abschloss. Seine Dramen „Spur des dunklen Engels“ und „Neuer Lübecker Totentanz“ wurden von seinem Patensohn Yngve Jan Trede vertont, dessen musikalische Hochbegabung Jahnn erkannte und förderte. 1950 kehrte er zurück nach Hamburg und setzte sich vor allem gegen die Entwicklung von Atombomben und die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ein. Jahnn war Begründer und erster Präsident der „Freien Akademie der Künste“ zu Hamburg. 1956 reiste er nach Moskau, am 29. November 1959 erlag er einem Herzleiden im Blankeneser Krankenhaus Tabea. Der Freund und Arzt Prof. Dr. Gotthold Möckel war in den letzten Stunden bei ihm. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Nienstedten. Die Grabanlage hat Jahnn gemäß den Vorgaben der Ugrino-Satzung entworfen. Sein letzter, wiederum unvollendeter Roman Jeden ereilt es erschien ers... Mehr in der Wikipedia |
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